Wand nachträglich schalldämmen – 8 effektive Tipps

Leider bemerkt man oft erst nachdem man schon längst ins neue Heim eingezogen ist, wie hellhörig die Wände sind. Ob Geräusche aus der Küche oder die lauten Nachbarn von nebenan – wenn die Wände sehr schalldurchlässig sind, kann das ganz schön nerven.

Es gibt aber Einiges, was du tun kannst, um eine Wand nachträglich deutlich schalldichter zu machen. Was genau, erfährst du hier.


Um eine Wand nachträglich schalldichter zu machen, kann man schwere Möbel vor der Wand aufstellen (Bücherregal, Kleiderschrank etc.) oder Akustikschaumstoffe, Isoliertapeten oder Schallschutzvorhänge an ihr anbringen. Am effektivsten ist die Schalldämmung mit einer zusätzlich angebauten Vorsatzschale aus schweren Gipsplatten und Dämmmaterialien.


Grundlegende Prinzipien

Bevor du mit der Schalldämmung der Wand loslegst, sollten wir erstmal verstehen, was die grundlegenden Prinzipien für eine effektive Schalldämmung sind. Mit diesem Verständnis kannst du dann gezielt die Methode auswählen, die für deine Wand am wirksamsten ist.

Schall-Absorption

Manche Materialien können Schall absorbieren, indem sie die Schallwellen aufnehmen und in Bewegungsenergie umwandeln. Die Geräusche werden dadurch reduziert. Ein gutes Beispiel für solches Material sind Akustikschaumstoffe.

Schalldämmung durch Absorption wirkt vor allem bei höheren Frequenzen effektiv. Bei niedrigen, bassigen Frequenzen ist sie leider weniger wirksam, da diese Schallwellen mehr Energie haben und somit schwerer umzuwandeln sind. Um tiefe Bässe durch Absorption zu reduzieren, bräuchte es also deutlich dickeres Material. Das nimmt dann viel Platz ein und kann schnell unpraktisch werden.

Masse

Schallwellen übertragen sich durch Schwingungen. Damit ein festes Objekt (z. B. eine Wand) Schall überträgt, muss das Objekt selbst also in Schwingung gebracht werden.

Je mehr Masse das Objekt hat, umso schwerer ist es in Schwingungen zu bringen. Damit Geräusche durchkommen, müssen sie also umso mehr Energie haben (höhere Lautstärke und/oder tiefere Frequenz).

Masse ist das Nonplusultra, wenn es um Schalldämmung geht. Eine schwere Wand ist also meistens besser als eine dicke (aber leichtere) Wand.


Acht wirksame Tipps

Kommen wir also zu den Maßnahmen, die du ergreifen kannst, um deine Wand schalldichter zu machen.

1. Bücherregal oder Kleiderschrank an die Wand stellen

Ein Bücherregal kann durchaus wirksam den Lärmschutz der Wand verbessern. Die Bücher können durch ihre hohe Masse den Schall gut abhalten und teils auch absorbieren. Je voller das Regal bepackt ist, umso besser. Denn wo Lücken im Regal sind, kann der Lärm weiterhin ungehindert von der Wand zu deinen Ohren durchkommen.

Ein Kleiderschrank an der Wand kann ebenso sehr wirksam sein. Je massiver und voller der Schrank, umso besser. Das soll jetzt aber niemanden zu übermäßigem Klamotten-Shopping verleiten! 😉

2. Schallschutzvorhänge anbringen

Schallschutzvorhänge zeichnen sich dadurch aus, dass sie besonders schwer und dick sind. Dadurch können sie den Lärm teils abhalten und absorbieren. Sie werden in der Regel verwendet um den Lärm, der durchs Fenster kommt, zu reduzieren. Sie können aber ebenso besonders einfach an der Wand angebracht werden, wo sie ebenso wirksam sind.

Bei besonders lautem Lärm oder tiefen Bässen stoßen sie zwar an ihre Grenzen. Dafür bieten sie den zusätzlichen Vorteil, dass sie den Hall im Zimmer deutlich reduzieren. Das Ergebnis ist eine ruhigere und angenehmere Raumakustik. Erfahre hier mehr darüber, wie wirksam Schallschutzvorhänge wirklich sind.

3. Schallabsorber aus Akustikschaumstoff anbringen

Akustikschaumstoff wird sehr oft verwendet um die Raumakustik zu verbessern und die Schallübertragung nach innen und außen zu reduzieren. Sogenannte Schallabsorber oder Schalldämmmatten bestehen aus solchen Schaumstoffen und lassen sich leicht an die Wand kleben oder schrauben.

Schallabsorber können durchaus wirksam sein, um leichte bis mittlere Geräusche zu dämpfen. Sie reduzieren zudem deutlich den Hall im Raum, wodurch Geräusche deutlich weniger intensiv wahrgenommen werden.

Zu beachten ist allerdings, dass solche Schallabsorber auch nur dann wirklich wirksam sein können, wenn sie den Großteil der Wand bedecken. Ein oder zwei Quadratmeter an Schallabsorbern werden also auf einer 10 Quadratmeter großen Wand vermutlich keine bedeutende Verbesserung erzielen können.

Zudem gilt auch hier wieder: Je dicker das Material ist, umso besser kann es den Schall absorbieren.

4. Matten aus massegeladenem Vinyl anbringen

Im Gegensatz zu Akustikschaumstoffen kann massegeladenes Vinyl den Schall durch seine hohe Dichte den Schall aufhalten anstatt ihn zu absorbieren.  Es ist damit oftmals effektiver, wenn es darum geht, lautere Geräusche und Bässe fernzuhalten.  

Matten aus massegeladenem Vinyl kannst lückenlos direkt an der Wand anbringen. Dadurch wird die ganze Wand massiver und schalldichter.

All die oben genannten Methoden lassen sich sehr gut miteinander kombinieren! Für noch effektiveren Schallschutz kannst du also erst Akustikschaumstoff oder Vinylmatten anbringen, dann Schallschutzvorhänge darüber hängen und letztlich noch ein Bücherregal vor die Wand stellen.

5. Tür überprüfen

Wenn die Wand, die du dämmen möchtest, eine Tür hat, solltest du unbedingt erstmal prüfen, ob nicht die Tür der eigentliche Problempunkt ist. Lärm kann in der Regel viel leichter durch die Tür als durch die Wand kommen. Schaue dir dazu auch diesen Artikel an, um zu erfahren, wie du deine Tür schalldicht machen kannst.

6. Isoliertapete anbringen

Spezielle Tapeten aus Kork und anderem schwerem Material werden ebenfalls verwendet um Wände schalldichter zu machen. Die Tapeten lassen sich überstreichen oder nochmals übertapezieren, sodass sie überhaupt nicht mehr zu sehen sind.

7. Akustikbilder? – Besser nicht.

Teilweise findet man sehr positive Bewertungen im Internet zu Akustikbildern und der vermeintlich hohen Wirksamkeit für den Schallschutz. Leider muss man aber sagen, dass die positiven Meinungen vermutlich vielmehr auf eine bessere Raumakustik als auf wirkliche Schalldämmung zurückzuführen sind.

Akustikbilder sind im Prinzip das Gleiche wie die oben genannten Schalldämmmatten, denn sie bestehen aus Akustikschaumstoff. Sie können Schall also absorbieren. Aber hier ist das Problem: Damit das wirklich schalldämmend wirken kann, müsste der Großteil der Wand mit Akustikbildern bestückt sein!

In der Regel sind es aber wohl maximal zwei bis drei mittelgroße Bilder an der Wand. Die reduzieren sicherlich den Hall im Raum und verbessern somit die Raumakustik. Wenn es aber darum geht, Lärm nach innen oder außen abzuschirmen, sind sie leider eher weniger wirksam.

8. Der Profi-Tipp: Vorsatzschale bauen

Wenn du es wirklich ernst meinst und keine Kosten und Mühen scheust, solltest du eine Vorsatzschale an die Wand bauen – das ist definitiv die effektivste Methode.

Eine Vorsatzschale ist im Prinzip eine zusätzliche Wand, die an die bestehende Wand angebaut wird. Diese zweite Wand besteht in der Regel aus Rigipsplatten außen und einem Dämmmaterial innen. Als Dämmmaterial bietet sich in der Regel Mineralwolle an. Dadurch absorbiert die Wand bereits deutlich mehr Schall.

Um die Vorsatzschale aber besonders schalldicht zu machen, kann man sie innen mit Matten aus massegeladenem Vinyl auskleiden. Außerdem kann man anstatt gewöhnlichen Rigipsplatten spezielle Schallschutz-Gipsplatten benutzen. So bekommt die Wand deutlich mehr Masse und hält Schallwellen besser ab.

Eine etwas detaillierte Erklärung, wie du eine Vorsatzschale bauen kannst, findest du in diesem Artikel von Baustoffwissen.de. Dieses YouTube-Video könnte ebenfalls sehr hilfreich sein.


FAZIT

Es gibt einige einfach Möglichkeiten, mit denen du eine Wand deutlich schalldichter machen kannst. Insbesondere schwere Möbel an der Wand (Bücherregal oder Kleiderschrank) sowie Akustikschaumstoffe, Isoliertapeten und Schallschutzvorhänge können sehr hilfreich sein – vor allem wenn man sie miteinander kombiniert. Wer die maximale Schalldämmung sucht, sollte jedoch überlegen, eine Vorsatzschale mit schweren Gipsplatten und schallabsorbierenden Dämmmaterialien an die Wand anzubauen.